Der Supermarkt der Zukunft:

A) Wie der Lebensmitteleinzelhandel den Sprung ins Netz schafft

Der Wandel im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) ist in vollem Gange. Lange Zeit galt der Wocheneinkauf als die letzte uneinnehmbare Festung des stationären Handels. Zu komplex die Kühlkette, zu gering die Margen, zu anspruchsvoll die Kunden bei der Frische von Obst und Gemüse. Doch die Zeiten haben sich geändert. Heute verschmelzen die Kanäle rasant. Aber wie haben es die traditionellen Händler geschafft, ihre riesigen Filialnetze erfolgreich mit den ersten Online-Aktivitäten zu verknüpfen? Und welche neuen, cleveren Partnerschaften dominieren heute den Markt? Ein Blick hinter die Kulissen einer Branche im Umbruch.

 

 

Aller Anfang ist Omnichannel: Die 5 Erfolgsstrategien der Pioniere

Um den Onlineshop nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zum Supermarkt um die Ecke zu etablieren, setzten die Händler bisher vor allem auf fünf bewährte Strategien:

1. Click & Collect (Der Abholservice):

Der einfachste Brückenschlag. Kunden bestellen bequem auf dem Sofa, Mitarbeiter packen die Kisten, und der Kunde holt sie fertig ab. Das spart dem Händler die extrem teure Lieferung auf der „letzten Meile“ und bringt Kunden für Spontankäufe trotzdem in die Filiale.

2. Instore Picking (Filialen als Dark Stores):

Statt teure Zentrallager zu bauen, nutzten Händler von Beginn an ihre bestehenden Supermärkte. Mitarbeiter oder externe Partner gehen während des Betriebs durch die Gänge und picken die Online-Bestellungen direkt aus den Regalen. Ein minimales finanzielles Risiko beim Start.

3. Synchronisation von Preisen und Daten:

Nichts frustriert Kunden mehr als unterschiedliche Preise. Erfolgreiche Omnichannel-Händler spiegeln die wöchentlichen Prospekt-Angebote eins zu eins im Netz und nutzen Echtzeit-Warenwirtschaftssysteme, damit der Kunde sieht, was im Markt wirklich vorrätig ist.

4. Die Verschmelzung der Kundenbindung (Loyalty Apps):

Egal ob REWE App, Lidl Plus oder PayBack bei der EDEKA – die digitalen Aktivitäten wurden sofort an die Kundenkarten gekoppelt. Der Kunde sammelt überall die gleichen Punkte, und der Händler erhält ein lückenloses Datenprofil über das Kaufverhalten auf allen Kanälen.

5. Das digitale Regal im Markt:

Ist ein Wein oder ein Aktionsartikel im Laden ausverkauft, verlängern Händler ihr Sortiment digital. Über QR-Codes oder Terminals im Markt kann das Produkt direkt online bestellt und nach Hause geliefert werden.

 

 

B) Der Abkürzungsweg: Huckepack auf bestehenden Marktplätzen

Nicht jeder Händler hat jedoch das Budget oder die IT-Ressourcen, um eine eigene App und Lieferlogistik aus dem Boden zu stampfen. Die Rettung für viele kleinere Ketten, inhabergeführte Supermärkte oder Spezialitätenhändler? Plattform-as-a-Service. Anstatt eine eigene Infrastruktur aufzubauen, docken immer mehr Einzelhändler an bestehende Marktplätze an. Hierbei gibt es zwei spannende Wege: Für die schnelle Frische-Lieferung listen sich selbstständige EDEKA- oder REWE-Kaufleute sowie lokale Feinkostläden bei Express-Lieferdiensten wie Wolt oder Uber Eats. Der Marktplatz stellt die Plattform und die Kuriere – der Supermarkt stellt nur die Ware. Für haltbare Produkte und Non-Food (wie Wein, Kaffee oder Drogerieartikel) nutzen Händler Plattformen wie Kaufland.de oder Amazon. Der Deal dabei ist ein zweischneidiges Schwert: Der Händler spart Millionen an IT-Kosten und hat sofortige Reichweite – zahlt dafür aber saftige Provisionen (oft 10 bis 15 %) und gibt die wertvollen Kundendaten an die Plattform ab.

 

 

C) Die Königsklasse: Das Phänomen Picnic und die EDEKA-Allianz

Wie die Perfektionierung des digitalen Lebensmittelhandels aussieht, zeigt das Beispiel des Online-Supermarkts Picnic. Das Unternehmen besitzt in Deutschland keine eigenen Filialen, sondern liefert Lebensmittel über hochautomatisierte Lager nach dem klassischen Milchmann-Prinzip aus. Um dieses Wachstum zu finanzieren, ist Picnic eine strategische Allianz mit dem stationären Riesen EDEKA eingegangen. EDEKA liefert die enorme Einkaufsmacht und die Waren, während Picnic die technologische Plattform stellt. Diese Kooperation zeigt eindrucksvoll, wie digitale Agilität und die Stärke des traditionellen Handels erfolgreich miteinander verschmelzen.

 

 

Fazit: So wagst du als Einzelhändler den ersten Schritt

Der Einstieg in den Onlinehandel muss kein unkalkulierbares Risiko sein. Wenn du selbst einen eigenen Onlineshop-Bereich aufbauen willst, empfehlen wir dir als Unternehmensberatung einen dreistufigen, pragmatischen Ansatz:

Schritt 1: Starte mit Click & Collect. Nutze deine bestehende Filiale und richte einen einfachen Abholservice ein. Das minimiert die Logistikkosten und testet die digitale Akzeptanz deiner Kunden.

Schritt 2: Nutze bestehende Software-Lösungen. Du musst das Rad nicht neu erfinden. Nutze modulare Shopsysteme (wie Shopify oder spezialisierte LEH-Software), die sich leicht an dein Warenwirtschaftssystem anbinden lassen.

Schritt 3: Qualifiziere dein Team. Der beste Onlineshop scheitert, wenn die Prozesse im Markt nicht sitzen. Investiere frühzeitig in Schulungen für deine Service- und Führungskräfte, um das Kommissionieren und den digitalen Kundenservice im Alltag zu verankern.

Als deine Trainingsagentur und praktische Unternehmensberatung für den Einzelhandel stehen wir dir bei jedem dieser Schritte zur Seite. Lass uns gemeinsam die digitale Verlängerung deines Marktes realisieren! Wie nimmst du die digitale Veränderung in deinem eigenen Markt wahr? Welche Hürden siehst du für dein Team? Analysiere mit uns oder vereinbare direkt ein Erstgespräch mit unseren OPTIN-Training Berater/-innen und Trainer/-innen!